Buchtipp WDR4

Die Tabakernte muss die Familie des Bauern Augusto das ganze Jahr über ernähren. Wenn sie schlecht ausfällt, müssen alle hungern. Doch auch in guten Jahren wird Augusto nicht reich. Denn sein Tabak wird komplett vom Staat gekauft. Allerdings nicht ganz, denn einen Teil unterschlägt Augusto, schmuggelt ihn durch die Berge nach Österreich und bessert so das Familieneinkommen auf. Bis er eines Tages verschwindet.

Der italienische Schriftsteller Matteo Righetto führt seine Leser in eine harte, einfache Welt. Von der Eisenbahn haben Augusto und seine Familie schon mal gehört, aber noch nie eine gesehen. Obwohl in der Nähe Schienen verlegt werden. Tochter Jole ist mit 16 Jahren bei einer der gefährlichen Wanderungen ihres Vaters dabei. Sie ist neugierig, will unbedingt sehen, was hinter den Bergen ist. Als Augusto zwei Jahre später nicht zurückkommt, bricht sie alleine auf. Sie muss sich einigen Gefahren stellen und hört irritierende Geschichten über ihren Vater.

"Die Seele des Monte Pavione" ist ein packender und gefühlvoller Roman. Wie seine Figuren verliert Autor Righetto kein Wort zu viel. Klar und präzise sind seine Beschreibungen, die wilde Schönheit der Bergwelt fängt er in kurzen, genauen Sätzen ein. Ohne zu viel zu staunen, denn für die Tabakbauern ist die Kulisse der Dolomiten eine Selbstverständlichkeit.

Manchmal erinnert das Buch an einen Abenteuerroman, es ist aber auch eine ergreifende Vater-Tochter-Geschichte. Es gibt einige überraschende Wendungen, die stets glaubhaft bleiben. "Die Seele des Monte Pavione" ist ein beeindruckendes, nahezu perfekt geschriebenes Buch.

Die Seele des Monte Pavione
Matteo Righetto
Blessing Verlag
240 Seiten
20 Euro

21.05.2019 - 17:30
Righetto, Matteo
Blessing, Karl, Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783896676160
20,00 € (inkl. MwSt.)